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Zur Biologie der FledermäuseFledermaus jagt über der Wasseroberfläche

Fledermäuse sind Säugetiere und zählen mit weltweit rund 950 Arten zu der zweitgrößten Ordnung innerhalb dieser Klasse. In Deutschland gibt es etwa 24 Arten.

Fledermäuse fliegen mit den Händen. Daher ihre wissenschaftliche Bezeichnung Chiroptera (= Handflieger). Sie sind die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere!
Der normale Flug der Fledermäuse ("Ruderflug") ähnelt dem der Vögel. Einige Fledermausarten, z.B. das Langohr, beherschen auch den "Rüttelflug", der es ihnen ermöglicht, in der Luft zu "stehen" und Insekten von Blättern und Mauern abzulesen.

Außerdem sind sie Warmblüter und sehr wärmeliebend.

Tagsüber fallen Fledermäuse in Tageslethargie, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Dabei sind Ruhe und Störungsfreiheit im Tagesquartier überlebenswichtig.

Alle europäischen Fledermäuse sind Insektenfresser. Sie orientieren sich durch Echoortung mit einer Frequenz von ca. 15 bis 115 kHz. Fledermäuse sind übrigens nicht blind, manche Arten benützen ihre Augen zusätzlich.
Neben den Ultraschalllauten zur Orientierung geben Fledermäuse auch für Menschen hörbare Geräusche ab, die zur Verständigung untereinander oder als Abwehrlaute dienen.

Einige der kleineren Fledermausarten haben eine spezielle Echoortung entwickelt, die die Umgebung im Nahbereich sehr gut abbildet, jedoch kann die weitere Umgebung kaum wahrgenommen werden. Deshalb zeigen viele Fledermausarten beim freien Flug eine enge Bindung an linienförmige Landschaftselemente wie Hecken, Alleen oder Bäche.

Die Weibchen werden mit 3 Jahren geschlechtsreif und gebären nach einer Tragzeit von 50 bis 75 Tagen meist nur ein Junges pro Jahr. Ausnahmen bilden die Abendsegler, Zwergfledermäuse und die Zweifarbfledermäuse - bei ihnen sind Zwillingsgeburten nicht selten.
Seit den 60er Jahren kommt es immer häufiger vor, daß sie wegen Nahrungsmangel überhaupt kein Junges austragen. Außerdem sind rund 50 % der Jungen männlich. Dies alles trägt dazu bei, daß der Fledermausbestand fast kontinuierlich abnimmt.Wasserfledermaus

Fledermäuse können im Vergleich zu anderen Kleinsäugern recht alt werden. Als Ergebnis von Beringungsaktionen konnte ein Lebensalter von über 20 Jahren nachgewiesen werden!

Der aktive Flug verbraucht sehr viel Energie, weshalb Fledermäuse einen großen Nahrungsbedarf haben. Eine einzige Wasserfledermaus vertilgt vom 15. Mai bis zum 15. Oktober ca. 60 000 Mücken, ein Exemplar der größeren Fledermausarten sogar bis zu 1 kg.

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Der Jahresverlauf von Fledermäusen

Im Frühling suchen sich die Weibchen eine Wochenstube, in der sie ihr Junges gebären und großziehen. Wochenstuben beherbergen oft sogar bis zu mehrere tausend Fledermäuse.
Das wechselseitige Wärmen der Tiere ist besonders für die Jungtiere wichtig, die nackt geboren werden und erst nach etwa 12 Tagen ihr Fell bekommen. Während der nächtlichen Jagd lassen die Mütter ihre Jungen im Quartier zurück. Die Augen der jungen Fledermäuse öffnen sich nach 2 bis 4 Tagen, gesäugt werden sie bis zum Alter von 4 bis 6 Wochen.

Im späten Sommer und frühen Herbst gibt es sogenannte Schwärmphasen, die der Geschlechterfindung (und anschließender Fortpflanzung) dienen. Die Eizellen der Weibchen reifen erst später heran, so daß es zur Befruchtung (unabhängig von der Zeit der Begattung) erst im Anschluß an den Winterschlaf kommt.
Außerdem suchen ebenfalls während der Schwärmphasen Elterntiere gemeinsam mit ihren Jungen bekannte Winterquartiere auf. Wahrscheinlich dient dies der Übertragung von Informationen auf die nächste Generation.Bechsteinfledermaus

Den ganzen Sommer und Herbst über legen Fledermäuse Fettreserven für ihren Winterschlaf an. Nur dieser Winterschlaf hat es überhaupt ermöglicht, daß sich Fledermäuse in Mitteleuropa ansiedeln konnten, da es im Winter keine Jagdbeute gibt.

Ab Oktober ziehen sich die Fledermäuse dann in ihre Winterquartiere zurück und fallen in Winterschlaf.

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Das Raum-Zeit-System von Fledermäusen

Fledermäuse leben nach einem komplexen Raum-Zeit-System, das heißt, sie suchen zu bestimmten Jahres- und Tageszeiten bestimmte Quartiere und Jagdhabitate auf.

Die Tagesquartiere werden bei fast allen Arten in gewissen Abständen gewechselt. Es gibt sogar Wechsel zwischen benachbarten Kolonien.

Die unterschiedlichen Sommer- und Winterquartiere sowie Jagdhabitate sind meistens mehr oder weniger weit voneinander entfernt und werden im Jahreszyklus zu bestimmten Zeiten aufgesucht.

Das Raum-Zeit-System der Fledermäuse

Habitat

Jahreszeit

Nutzung

Ort

Gebiet

Bemerkungen

Tagesquartiere

ab Frühjahr

Tageslethargie

große Dachräume, Baumhöhlen, Nistkästen, Spalten an Gebäuden, etc.

-

werden bei fast allen Arten in gewissen Abständen gewechselt

Wochenstuben

ab Frühjahr

Geburt und Aufzucht der Jungtiere

große Dachräume,
Nistkästen,
Baumhöhlen

- -

Jagdhabitate

ab Frühjahr

Jagd von nachtaktiven Insekten

lichte Wälder,
frisch gemähte Wiesen und Weiden,
freie Wasserflächen, Waldwege,
unter Laternen,
nahe an der Vegetation

-

bis zu 15 km Entfernung zur Wochenstube

Paarungsquartiere

Sommer und Frühherbst

Männchen sendet
Werberufe vom Eingangsbereich aus

meistens Baumhöhlen, Nistkästen

teilweise im Südwesten Mitteleuropas

-

Winterquartiere

ab Oktober

Winterschlaf

Höhlen, Stollen

nördl. Rand der Mittelgebirge, Südwesten Mitteleuropas

Fernwanderungen über mehrere 100
oder sogar 1000 km
(Großer Abendsegler/ Rauhhautfledermaus)

Flugstraßen

ab Frühjahr

Flug vom Quartier zum Jagdhabitat

entlang linienförmiger Landschaftselemente (Hecken, Alleen, Bäche)

- -

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Gefahren für Fledermäuse

Alle in Deutschland lebenden Fledermausarten gelten als vom Aussterben bedroht, werden in den Roten Listen gefährderter Arten geführt werden und stehen unter Naturschutz!

Fledermäuse sind sehr standorttreue Tiere und werden damit stark von Veränderungen ihrer Lebensräume wie Flurbereinigung und dem Fällen von Höhlenbäumen beeinflusst.

Teilweise verantwortlich für den Rückgang der Fledermauspopulation ist der Einsatz von Insektiziden (Vergiftung durch das Fressen vergifteter Insekten) und Holzschutzmitteln, sowie die Luftverschmutzung. Als Säugetiere geben die Mütter die Gifte an ihre Jungen weiter, bei denen schon sehr hohe Konzentrationen an Umweltgiften im Körper nachgewiesen werden konnten.
Fledermäuse nehmen Holzschutzmittel über den ganzen Körper auf und überleben den Kontakt mit lindanhaltigen Schutzmitteln nur wenige Tage, selbst wenn die Behandlung des Holzes mehr als ein Jahr zurück liegt.Ein Fledertier frißt eine Frucht

Viele Fledermausquartiere werden (manchmal sogar mutwillig) zerstört.
Alte Gebäude werden saniert, Altbäume gefällt, Höhlen, Stollen und Bunker zugemauert.
Es kommt leider auch heute noch vor, daß Fledermäuse aus Aberglauben, Unwissenheit, Angst oder auch Ärger über die hinterlassenen Kothaufen verjagt oder getötet werden. Dabei sind alle Fledermausarten nach dem Naturschutzgesetz geschützt!

Fledermäuse reagieren sehr empfindlich auf Beunruhigungen und Störungen.
Besonders die Störung von Winterquartieren zwischen Oktober und Mai ist gefährlich, da  die winterschlafenden Tiere geweckt werden, ihre Fettreserven aufbrauchen und dann zu schwach zum Überleben sind. Werden die Winterquartiere gar zerstört, sind die Tiere ebenfalls zu schwach, um sich ein anderes Quartier zu suchen.
Werden die Tiere im Sommer in den Wochenstuben gestört, kann es sein, daß Jungtiere von ihren Müttern verlassen werden.

Manchmal verirren sich Fledermäuse im Herbst in Gebäude, in denen sie sich dann während der Helligkeit verstecken. Finden sie dann nachts nicht wieder durch ein offenes Fenster hinaus und fliegen in den Zimmern umher, müssen sie verhungern und verdursten.
Wenn eine verirrte Fledermaus in einem Raum gefunden wird, sollte der örtliche Fledermausschutz benachrichtigt werden.

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Fledermausschutz

Der Hauptteil des Fledermausschutzes wird ehrenamtlich betrieben.

Die Koordinationsstelle Fledermausschutz Deutschland erstellte Leitlinien zum Fledermausschutz in Deutschland:

 

Was kann jeder tun?

Das wichtigste ist, Vorurteilen und Aberglauben entgegen zu wirken und Sympathie für die kleinen fliegenden Säuger zu wecken.

Bei allen Schutzmaßnahmen muss unbedingt darauf geachtet werden, daß die Tiere nicht gestört werden!

Bei geplanten Renovierungen an Gebäuden (Wohnhäusern, Kirchen, etc.) immer Experten hinzuziehen.
Baumaßnahmen am Dachstuhl erst ab September beginnen, Einflugöffnungen erhalten, keine imprägnierte Betonziegel verwenden und eine Holzschutzbehandlung möglichst vermeiden, ansonsten ungiftige Verfahren anwenden.
Möglichst auch bei Neubauten an die Fledermäuse denken.

Man kann das Höhlenangebot für Fledermäuse, die Baumhöhlen bewohnen durch Anbringen spezieller Nistkästen verbessern.

Vollständiger Verschluß von bekannten oder auch möglichen Winterquartieren sollte verhindert werden. In künstlichen Höhlen und Kellern freuen sich die Ritzenbewohner unter den Fledermäusen über eine Verbesserung der Hangmöglichkeiten z.B. durch Schaffung vieler Vertiefungen, Ausstemmen von Mörtelfugen oder Ähnlichem.

Um die Jagdhabitate von Fledermäusen zu erhalten gilt: Neuschaffung, Pflege und Erhalt von Feuchtgebieten, Hecken, naturnahen Mischwäldern und Ödland. Außerdem möglichst auf Gift verzichten.

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Ausgewählte Bilder von einigen Fledermausarten

Wir danken Dietmar Nill, 72116 Mössingen, ganz herzlich für die Erlaubnis, einige seiner phantastischen Photos einsetzen zu dürfen. Diese Bilder stammen von Postkarten, die über uns bezogen werden können:

Wasserfledermaus
Bechsteinfledermaus

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Buchempfehlungen batanim1.gif (10197 Byte)

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© dieser Seite: Pamela Kaudt (FÖJ 1999/2000)