Freiburg

2. August 2000

Jugendliche aus Libanon, Ägypten und Palästina im Workcamp

Gemeinsam gegen den Riesenbärenklau

 

Die Aliens sind mitten unter uns. Sie heißen Mais, Kartoffel und Tomate, aber auch Riesenbärenklau, japanischer Knöterich und indisches Springkraut. An Bord spanischer, englischer, portugiesischer, holländischer Galeonen hat seit dem offiziellen Aufbruch Europas Richtung Welt vor über 500 Jahren so manche Pflanze aus Übersee den Weg in die deutsche Botanik gefunden. Überhaupt haben die Kolonialmächte die Globalisierung schon zu ihren Zeiten sehr ernst betrieben und Pflanzen und Samen rund um den Erdball rege ausgetauscht.

Austausch hat sich auch der Arbeitskreis Internationale Jugendarbeit (Akija) der Caritas ins Programm geschrieben. Seit Sonntagabend sind rund 60 Jugendliche aus Libanon, Ägypten und Palästina zwischen 16 und 25 Jahren in Freiburg zu Gast, um gemeinsam mit deutschen Helfern und seit gestern auch belgischen Pfadfindern den Krebsbach zwischen Waltershofen und Tiengen sowie den Kronenmühlenbach, den Haslacher Dorfbach und den Dietenbach von unerwünschten pflanzlichen Einwanderern zu befreien.

Bei der Begrüßung gestern im Technischen Rathaus haben die jungen Gäste erfahren, dass der Freiburger Baubürgermeister Mathias Schmelas heißt, dass große Teile der Freiburger Bevölkerung in Bachpatenschaften organisiert sind, dass sich rund 2000 Bürgerinnen und Bürger in 35 registrierten und fünf noch nicht ganz anerkannten Gruppen um die Reinheit der Gewässer in und um die Stadt bemühen.

Das ehrenamtliche Engagement schütze seit 1984 die Lebensräume von Vögeln und Fledermäusen, von Kröten, ungiftigen Schlangen und Libellen, erklärten Peter Reuß vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung und die Biologin Hella Heuer, die die Bachpatenschaften koordiniert. Die Gäste haben weiter gelernt, dass das indische Springkraut mit seinen 4000 Samen pro Saison vieles an heimischem Wuchs unterdrückt, mit seinen mickerigen Wurzelbällchen aber wenig zur Befestigung der Uferböschungen beiträgt.

Hella Heuer stellte den jungen Libanesen, Palästinensern und Ägyptern die Herkulesstaude vor, auch bekannt als Riesenbärenklau. Sie warnte vor der Berührung mit den Giganten. Die tragen nämlich Stoffe, die der menschlichen Haut den UV-Schutz rauben, was zu unangenehmen Reizungen führt. Außerdem bekamen die ungeduldig auf ihren Einsatz wartenden jungen Frauen und Männer gesagt, dass man wegen der Scherben und anderen zivilisatorischen Hinterlassenschaften nicht barfuß ins Wasser dürfe und es auch nicht trinken solle. Wasser anfassen sei allerdings kein Problem, meinte Heuer.

Solcherart vorbereitet begaben sich die Work-Camper in die Wildnis bei Waltershofen, um den Kampf gegen die zwar schönen, aber gefährlichen Alien-Pflanzen aufzunehmen. Bis Freitag rupfen und schneiden sie vormittags Kräuter und klauben den liegen gelassenen Müll aus den Wasserläufen. An den Nachmittagen besichtigen sie die Menschen, die den Müll verursacht haben, und nehmen am Freizeitprogramm teil, das sie nach Straßburg und an den Titisee führen wird.

Die Klammer dieses Jugendaustauschprogramms ist die Caritas hier und in den Partnerländern. Der Austausch ist offen für alle, auch Muslime nehmen teil. Geld von Bund und Land machten die Austauscharbeit möglich, sagt Nadim Ammann von Akija Nahost. Da die Europäische Union Zuschüsse storniert habe, mit denen die Veranstalter gerechnet haben, seien das katholische Jugendbüro und der Verein Ehe und Familie mit Darlehen in die Bresche gesprungen. 50'000 Mark kostet der Aufenthalt in Freiburg, 45'000 Mark die Reise zwischen hier und den Ländern im Nahen Osten und Nordafrika.

Zehnmal sind deutsche Jugendliche seit 1993 im Nahen Osten gewesen, wo sie im Libanon bei der Aufbauarbeit halfen, in Ägypten in Leprakrankenhäusern und in Palästina bei der Altenpflege. Fünfmal kamen Jugendliche aus diesen Ländern nach Freiburg. Im vergangenen Jahr zum Beispiel arbeiteten sie auf der Baustelle von JugendDenkMal in der Freiburger Innenstadt.

afri


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